Erlebnisse eines notorischen Wanderpaddlers (Eike Schulz)

uch von mir herzlichen Dank allen, die die Aktion organisiert hatten oder eigene Ansprüche auf
erlebnisorientierte Handlungen zurückstellten, um die Sicherheit der ahnungslosen Wanderpaddler auf dem
schäumenden Gewässer zu gewährleisten. Jedenfalls wurde uns demonstriert, daß Normans wüste
Behauptungen über den Umgang von Dundaks Leuten mit Anfängern tatsächlich nur satirisch gemeint waren.
Da ich bisher nur auf der Globeboot in Einern gesessen habe und sich meine Erfahrungen auf RZ85, Kolibri
und Ruderjolle Anka beschränken, wurde mir gleich Sonnabend früh eine Privateinweisung Plasteeiner von
Dundak zuteil. Als erstes hieß es freiwillig (!) umzukippen und aus dem dann kieloben treibenden Boot
auszusteigen. Das war aber auch nötig, denn diese Wildwasserboote haben die Eigenschaft, sich ohne
Vorwarnung in genau diese Lage zu begeben, wenn man eine falsche Bewegung macht und gerade nicht
paddelt.
Außerdem bekam man erläutert, daß man ja gar nicht paddeln könne und wie es denn richtig gehe.
So präpariert, wurde ich dann auch als geeignet eingestuft, den Fluß abzufahren. Und tatsächlich warf mich
das Boot nicht mehr ab, mit Ausnahme im Unterwasser des einen Wehres, in dem mich eine sogenannte
Walze an der Weiterfahrt hinderte. Der interessanteste Aspekt für einen Wanderpaddler: Man muß nicht
umtragen, man fährt alle Wehre, egal wie sie aussehen (Achtung liebe Kinder: Ganz so kann man die
Aussage nicht stehen lassen. Das gilt nur für Wehre, von denen Dundak & Co sagen, daß dies jetzt möglich
sei). Zumindest auf unserem Sazavaabschnitt traf das Pfingsten für alle Wehre zu.
Dann wird man noch angehalten, nicht einfach geradeaus den Fluß hinunter zu fahren, sondern möglichst an
jedem Kehrwasser – das sind so was wie größere Strudel – das Boot umzudrehen und bergwärts zu
gucken, ob denn nicht die zuletzt gekenterten auch noch nachkommen.
Lediglich extrem unbequem ist so ein Plasteboot. Man klemmt sich irgendwie in den Sitz, kann sich nicht
anlehnen, der Rücken schmerzt, die Knie bekommen vom direkten Kontakt mit dem Bootsinneren langsam
Blasen. Und wenn das Wasser mal ruhiger ist, kann man nicht gemütlich vor sich hin bummeln, sondern muß
mit dem Boot kämpfen, daß es möglichst geradeaus fährt.
Am nächsten Tag haben wir die selbe Strecke im RZ85 zurückgelegt. War das ein Genuß! Zwar mußte
eines der Wehre umtragen werden, aber sonst glitt das Boot über alles hinweg, was der Fluß zu bieten hatte
und wenn das Wasser ruhig war, blieb es das Boot erst recht.
Zur Erhöhung des sportlichen Wertes waren an diesem Boot mit dem prägnanten Namen „Blaues Wunder“
im Oberverdeck seitliche Flutungsschlitze angebracht. Bei bewegtem Wasser wurde so kontinuierlich das
Gewicht des Bootes erhöht, so daß eine Gepäckfahrt simuliert werden konnte. Die mit zunehmender
Wassermasse im Boot einhergehende Verminderung der Manövrierfähigkeit brachte uns allerdings dazu, im
Zweikilometerabstand ganz unsportlich das Boot am Flußrand auszuschütten.
Das ganze Prozedere erinnerte an solche Traktorrennen, denen die Zugmaschinen einen Schlitten ziehen, auf
welchem sich mit zurückgelegter Wegstrecke ein Gewicht immer weiter nach vorn verschiebt und immer
mehr bremst, bis sich das Getriebe der Trecker in Krümel auflöst…
Die als Wanderpaddler tief verinnerlichte Einstellung, vom Ufer aus in das Boot einzusteigen, ohne zwanghaft
durch das Wasser zu waten, brachte mir von meinem Mitpaddler die Einstufung als „wasserscheu“ ein. Die
selbe sonst als stürmisch bekannte Person hatte allerdings am nächsten Tag irgendwie nur wenig Lust, noch
einmal am Wildwasserkanal in dieses Boot zu steigen, wo völlig klar war, daß man diesen keinesfalls trocken
verläßt (tat es dann aber doch).
Im Wildwasserkanal konnten wir letztendlich nachweisen, daß es völlig unerheblich ist, ob man einen RZ85
mit oder ohne Spritzdecke fährt, zumindest wenn dieser mit den beschriebenen Flutungsöffnungen
ausgestattet ist. In beiden Fällen ist das Boot an fast der selben Stelle bis zum Eichstrich voll.
Wider Erwarten hat das Boot den Einsatz überlebt. Vor seinem nächsten Einsatz wäre aber noch einiges zu
tun:
- Haut flicken bzw. vorh. Flicken wieder befestigen
- Flutungsöffnungen im Oberverdeck doch flicken
- Senten reparieren
- Kielleisten wieder am Steven befestigen
- 2 Spanten nachleimen
- Lose Brettchen wieder an der Bodenleiter befestigen
- neue Spritzdecke besorgen
Nach Umsetzen all dieser Maßnahmen könnte man mit dem Boot wieder problemlos den Bodensee oder
den Atlantik überqueren.