Lektion 1
Ukrainisch ist nicht Russisch
Nein, als Bürger Russlands fühlen sich die Menschen, zumindest in der Westukraine nicht. Und
auch von der Sowjetuniun spricht man nur von der "Ehemaligen". Wobei man in der Tendenz sagen
kann, dass - je weiter man nach Osten vordringt und je älter die Gesprächspartner werden - desto
mehr trauern diese den früheren Zeiten und der engen Bindung an Russland nach.
Jüngere Ukrainer und Bewohner des Westteils, insbesondere der Städte, fühlen sich dagegen als
echte Europäer. So europäisch, dass sie sogar den Mittelpunkt unseres Kontinentes kurzerhand in
ihrem Heimatland festmachen (siehe Bild links).
Trotzdem kann man sich mit Russisch sehr gut verständigen. Die Fragen, die man stellt, werden von allen
verstanden. Die Antworten aber bekommt man in der Westukraine auf jeden Fall in Ukrainisch. In den
Karpaten mischt sich dann noch das Lemkische (auch Ruthenisch oder Karpatoukrainisch genannt)
darunter und jeder Slawist hätte seine helle Freude. Meine Ohren hatten sich nach ein paar Tagen dran
gewöhnt und je weiter wir nach Osten kamen, desto russischer wurde die Verständigung. In größeren
Städten ist - trotz ukrainischer Beschriftungen - generell Russisch die vorherrschende Umgangssprache.
Und auch hübsche junge Leute verstehen dies ganz gut (auf dem Bild rechts musste ich einer
Studentengruppe erklären, warum wir uns ausgerechnet ihr Heimatland als Urlaubsziel ausgesucht hatten).
Wir sind überall herzlich und freundlich, teilweise auch ein bisschen neugierig aufgenommen worden und
haben mehrfach die sprichwörtliche ukrainische Gastfreundschaft genossen.
Aus der Vielfalt der Kontraste von alt und neu hier eine kleine Auswahl:
Im Plattenbaugebiet aus Sowjetzeiten steht eine neu
erbaute Kirche im traditionellen Stil.
Die Dörfer werden von Holzbauweise dominiert.
Reklame für Grundnahrungsmittel auf Ukrainisch