Eine Woche im Leben von Tino M.
Bilder: Steffen Tollmann; Text: Roland Einert
Dieser nette junge Mann ist Tino. Vor einigen Wochen geriet er auf der Suche nach
einem neuen Wanderboot auf eine berüchtigte Internetseite. Ein neues Wanderboot
hat er nicht. Dafür besitzt er jetzt:
- den alten Gattino von Matthias mit Spritzdecke (zum fast Schrottpreis)
- den allerersten Wildwasserhelm von Borch ( wird für 2 Flaschen Bier abgegeben)
- eine beinahe schon einmal dem Sven gehörende Schwimmweste (unverkäuflich)
- Rolands alte undichte Trockenjacke (geliehen bis sich was besseres findet)
- ein Schlegelpaddel, Prijonschuhe und Paddelpfötchen (neu gekauft)
Ausserdem hat Tino etliche Jahre Erfahrung im Wanderpaddeln auf Pulsnitz, Spree
und Röder und war mit der in seriösen Paddlerkreisen aus gutem Grund
geschmähten Truppe auch schon auf Elbe und Mulde.
Montag, 24. Februar 2003
Tino erhält einen Anruf von Roland. Der neue Neoprenanzug ist da.

Dienstag, 25. Februar 2003
Tino holt den Neo bei Roland ab un kriegt auch noch einen Ratschlag mit. "Kehrwasserfahren üben, geht auch
klasse hinter Brückenpfeilern auf der Elbe!"

Mittwoch, 26. Februar 2003
Tino wird in diversen Paddlerforen des Terrorismus bezichtigt und plant eine Elbefahrt für den nächsten Tag.

Donnerstag, 27. Februar 2003
Tino übt Kehrwasserfahren auf der Elbe und schickt am Abend folgende Mail an Roland:
hallo roland
die Sache mit dem Kehrwasserüben auf der Elbe war leider ne Scheißidee.
Gerade fühlte ich mich im Kehrwasser angekommen und richtete meine
extravorsichtige Kantung wieder auf, rums, da wars um mich geschehen.
Und die Elbufer sind ca. 35 Lebensjahre von der Flußmitte entfernt. Ich
brauche unbedingt deine Paddeljacke, in dem Skizeug von mir werden die
Arme nach zwei Minuten steif, zumindest unter Wasser.
Zum Glück ist alles noch heil und trotzdem ich Boot und Paddel aufgeben
musste, haben mir die Brückenarbeiter von der Marienbrücke Boot und
Paddel zurückgeholt (per Motorboot).
So stand ich also tropfend am Elbufer und keiner meiner WG - Freunde war
zu Hause.
Na toll. Aber Ich war doch ein Notfall!!!!!!!!
Ich hatte mich schon damit abgefunden, nach hause laufen zu müssen, da
fiel mir ein - Boot ausschütten - dreimal tief Luftholen - und wieder
rein ins Vergnügen. Nachdem ich die Vliessachen ausgewrungen hatte,
wurden die Arme auch wieder warm. Und der Neue Neoprenanzug hat mir ganz
im Ernst das Leben gerettet.
O. k. alles weitere dann Auf der Spree.
ruf doch einfach an

Freitag, 28. Februar 2003
Tinos WG beschimpft ihn wegen der tropfenden und stinkenden Paddelsachen. Tino fährt zum ersten Rollentraining
seines Lebens ins Schwimmbad, kommt mit Bauernrolle und Grundstütze manchmal hoch und hackt dabei mit dem
Paddel beinahe dem kleinen Steffen die Zehen ab. Nachts träumt er von großen Kehrwassern

Samstag, 01. März 2003
Tino fährt mit zum Kehrwassertraining auf die Spree. Dort mischt er das Elb- und das Schwimmbadwasser in
seinem Magen mit Spreewasser. Am Abend beschimpft ihn seine WG wegen der tropfenden und stinkenden
Paddelsachen. Tino träumt nachts von kleinen Kehrwassern.

Sonntag, 02. März 2003
Wir nehmen Tino mit auf die Wesenitz und gönnen ihm zum Abschluss den Teufelskanal. Er kriegt unter Steffens
und Olafs Führung fast alle Kehrwasser und kippt (im Gegensatz zu bösartigen Schreibern) nicht um.
Hier wird nicht nur textlich, sondern auch in Bildern Tinos Befahrung des Ausgangswehres dokumentiert
So sieht Tino am Ende einer Woche aus. Am Abend träumt er von Steinen
und von Kehrwassern und natürlich beschimpft ihn seine WG wegen der
tropfenden und stinkenden Paddelsachen.
Für die folgende Woche gibt es zwei Szenarien:
Erstens: Tino beschafft sich eine neue Idendität und eine neue
Telefonnummer und meldet sich nie wieder bei uns.
Zweitens: Tino kuriert seine Erkältung und seinen Muskelkater. Er träumt
vom Paddeln, lässt sich von seiner WG beschimpfen und überzeugt diese
nach und nach, doch auch mitzukommen. Und natürlich freut er sich auf
die nächste Paddeltour, so wie wir.