Thomas und die Wehre
Seit über 20 Jahren paddle ich mit dem Thomas. Mit Wanderpaddeln hats angefangen, dann haben wir im leichten Wildwasser mehrere Faltboote und
selbstlaminierte GFK-Schüsseln geschrottet, irgendwann sind wir zum "richtigen" Wildwasserfahren gekommen und Thomas hat mittlerweile neben zig
Flüssen in Osteuropa auch schon die Alpen, Griechenland, Italien, Norwegen und Costa Rica unsicher gemacht. Jeder aus unserer Gruppe schätzt ihn
als umsichtigen Vorfahrer (links Noce/Kalabrien 2005) - hier auch eine Videosequenz - oder als zuverlässigen Berger (Video und Bild rechts Cecina/
Appenin 2005). Vor allem aber mag ich ihn als lieben Freund an, im und neben dem Bach, natürlich auch abends am Lagerfeuer und in der Kneipe.
Einen Tick jedoch hat der Thomas. Er
umträgt höchst ungern ein Wehr. Und
wenn er irgendwie eine Chance sieht,
sich eine Wehrkante hinunterzustürzen,
sei es mit oder ohne Wasser, dann tut er
es. Sicher kommt das auch noch aus
Faltbootzeiten, als das Umtragen
ständige Notwendigkeit und daher
äußerst lästig war.
Die beiden Bilder zeigen ihn übrigens auf
verschiedenen (harmlosen) Wehren am
Mingardo (Kalabrien 2005)
Diese Bilder entstanden auch Anfang Januar 2005 in Kalabrien, und zwar auf dem unteren Noce. Das Kraftwerk hatte schon seinen Zuschusswasser-
betrieb eingestellt, wir wollten zur Aussatzstelle. Oben wenig Wasser, also vorsichtig rantasten. Geguckt, Höhe als machbar empfunden, kein
Rücklauf, tief genug ist es auch, also ab. Entgangen ist bei der Besichtigung, dass sich hinter dem Schleier kurz unter der Wasseroberfläche eine nur
15-20 cm breite Stufe verbirgt. Da Thomas keinen Schwung hatt, überdrehte er das Boot und knallte mit der Bootsspitze voll auf diese Kante. Wegen
starker Schmerzen nur ein Rollversuch und dann Ausstieg.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt.
Kein Apotheker konnte Englisch, also hat man
uns erst mal in ein Krankenhaus für Herz- und
Lungenkrankheiten geschickt. Dort hatte man
zwar schöne Rollstühle, aber wohl keinen
Unfallchirurgen.
Den fanden Herbert und Thomas dann im
Krankenhaus in Lagonegro und er stellte die
Diagnose: "Linker Fuß zweifach gebrochen,
rechter Fuß stark geprellt". Einen schönen
Gips gab es dort auch.
Für Thomas war es mit der Paddelei im Urlaub dann natürlich vorbei. Wir haben ihn aber schön zu seinem Stammplatz im Ristorante "La Sorgente"
(übrigens direkt am Noce) geschleppt haben (Bild links). Später hat er dann eine schöne Treibholzkrückke bekommen (Bild mitte). Er hat sich auch immer
brav seine Spritzen hat setzen lassen (Bild rechts). So konnte er wenigstens noch ein wenig die Sonne genießen und wir noch ein paar Tage paddeln.
Jetzt muss er ein paar Wochen zu Hause sitzen. Vielleicht nutzt er ja die Zeit, um einen Artikel über die Gefahren von Wehrbefahrungen zu schreiben.
Text: Roland Einert, Bilder Herbert Pelkhofer, Jens Mauermann
Kalabrien 2005 (folgt bald)