Cat Stevens und die Ula

Text: Roland Einert, Bilder: Bernhard Zobel

 

Morning Has Broken jault Cat Stevens aus dem CD-Autoradio. Passt irgendwie zur Situation, obwohl mir die Musik nicht passt. Wir sitzen im Auto, es ist kurz nach 5 Uhr morgens und wir fahren konsequent Richtung Nordost, also von Dresden schräg durch Polen ins Baltikum. Eigentlich wie schon so oft und trotzdem ist diesmal alles ganz anders. Sonst fahre ich ja immer als Leithammel einer Großgruppe, diesmal jedoch mit drei Individualisten und bekennenden Singles.

Werde ich regelmäßig und ausreichend zu essen bekommen? Teilt jemand mit mir seine Bierreserven? Wer flickt mein Boot im Falle eines Falles? Wer sorgt dafür, dass ich in den Schlafsack komme, wenn ich genug habe? Wird man Geschichten erzählen? Wer singt abends die Lieder, die ich liebe? Ach Heike, ach Thomas, ach Matthias, Normi, Tino, Borch und all ihr anderen – ihr fehlt mir jetzt schon.

 

Wild Word – schon wieder dieser schnulzige Hippiesound. Passt aber zum Autoverkehr, besonders zum Überholverhalten polnischer Autofahrer. Wobei Auto fahren kann er, der Bernhard. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut, so als bekennenden ÖPNV-ler, wie er sich immer ausgibt . Zügig kommen wir voran.

Moonshaddow glücklicherweise nicht von CD sondern in Natura. Wir sitzen abends auf unserem ersten Biwakplatz am Ufer der Ula, haben die Autofahrt hinter uns gebracht. Christoph hat das Feuer gemacht und gemeinsam mit Tine und Bernhard gekocht. War essbar, sogar ein bissel Fleisch dran. Ein paar Getränkevorräte sind auch noch da und langsam spüre ich, wie nach den hektischen letzten Wochen Urlaubsstimmung in mir einzieht.

 

Dont Be Shy sage ich mir und gehe am nächsten Tag als erster aufs Wasser. Bissel kipplig fühlt sich der Single-Kolibri  im Gegensatz zum üblichen RZ schon an, noch dazu wo ich den Sitz ziemlich hoch gebaut habe. Und der Schenkelkontakt ist auch geringer als im ansonsten gewohnten Wildwasserboot. Jedenfalls lege ich mich am ersten Baumhindernis quer und kippe ins Wasser. Große Freude bei den anderen, als sie um die Kurve gepaddelt kommen. Schön auch, dass sie meine Sachen bergen und dass sie im Gegensatz zu mir bei diesem Tagestrip ohne Gepäck auch trockene Wechselsachen für mich dabei haben. Haben wohl doch ein gewisses Gruppenverständnis.

 

 

Der nächste Tag, die erste Gepäcketappe. Es geht auf den schwierigsten Abschnitt der Ula. Viele Baumhindernisse, auch unter Wasser. Schnelle Strömung, manchmal fast leichtes Wildwasser. Plötzlich hängt Bernhard fest und teilt uns einen Wassereinbruch mit. Klassischer Fall von Bootspfählung. Nach kollektivem Bergungseinsatz und fachgerechter Reparatur geht es weiter. Ein paar Kilometer weiter erwischt es Tine ähnlich schlimm. Noch abends am Lagerfeuer können es beide nicht richtig fassen. Besonders Tine, für die es das erste Loch im Boot ist. Na gut ich kann sie ja verstehen. Wie singt Cat Stevens gleich First Cut Is The Deepest

 

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