Die "Neue" Itze (Rote Weißeritz)
Das Augusthochwasser 2002 verwüstete nicht nur Häuser und Infrastruktur sondern veränderte auch gravierend Bäche
und Flüsse. Nochmal kurz zur Erinnerung:
Am 12. Oktober fand sich in der "Sächsischen Zeitung" ein interessanter Artikel über Frau Karen Riedel, ihres Zeichens
Wasserwirtschaftlerin und innerhalb der Talsperrenverwaltung Sachsen verantwortlich für die Rote Weißeritz. Sehr
aufschlussreich finden wir folgende Zitate von Ihr:
"Wir müssen in den nächsten Jahren ohne Denkverbote den optimalen Hochwasserschutz konzipieren und realisieren."
"Eine Engstelle im Fluss wirkt wie eine Düse, die die Wassermassen beschleunigt und ihnen reißende Kraft verleiht.
Wo der Fluß aber breiter fließen kann, lässt diese Kraft nach."
"Mehr Platz für Wasser. Das Bachbett ist an einigen Stellen bis zu drei Meter breiter. Ein Endzustand aber ist auch
das noch nicht."
Richtig wären diese Sätze, wenn es um die Flußverbauungen in Ortschaften geht. Dort werden auch teilweise solche
Projekte realisiert, wenn auch die Anwohner mit dem Bau von Ufermauern und die Besitzer der unsinnigen
Kleinkraftwerke dank Fördermittel sehr schnell dabei sind, vollendete Tatsachen zu schaffen.
Allerdings sind die Arbeiterscharen von Frau Riedel sehr konsequent. Sie setzen die Binsenweisheiten ihrer Chefin auch
auf das Naturschutzgebiet "Rabenauer Grund" um und haben dort in den letzten Wochen mit Planierraupen und
Baggern einen neuen Fluss gebaut und dabei teilweise den in vielen Jahrtausenden entstandenen Bach total
vergewaltigt. Die folgenden Bilder entstanden am 13. Oktober bei einer Wanderung mit Ramona und Steffen bei einem
knappen Kubikmeter. Paddlerisch interessant war der Bach früher ab 6 Kubik.


In diesem Abschnitt befand sich füher mal eine schön verblockte Strecke mit vielen Einzelstellen bis WW II+. Anfang der
60-er Jahre fanden genau hier die Slalom-WM statt. Jetzt kann man bei 4 Kubik sicher mit dem Faltbootzweier fahren.
Auch hier (unterhalb der Rabenauer Mühle) hat die Technik ganze Arbeit geleistet. Fast alle Stufen wurden planiert und
die störenden Blöcke gibt es auch nicht mehr.
Hier behinderten zu große Blöcke und gewachsenes Gestein die Fahrt der Technik. Das sind die letzten beiden echten
WW-Stellen der Itze (links das "S" nach der Spechtritzer Brücke, rechts der Eingang zum Katarakt am Predigtstuhl.
Durch das Freischieben des Flussbettes unterhalb des
gefährlichen Wehres an der Rabenauer Mühle beträgt
die Fallhöhe jetzt über 2 m. Sicher wird das Wehr bei
paddelbaren Wasserständen noch rückläufiger.
Auch unterhalb des Wehres am Ausgang des NSG
wurde das Flussbett um einen halben Meter abgesenkt,
so dass die Betonschwelle jetzt über der Wasserober-
fläche liegt. Hier wird auch der beste Boof nichts nützen.
Fazit aus Paddlersicht: Aus einer Wildwasserperle des Osterzgebirges ist ein charakterloser begradigter Bach
gemacht worden. Die Zweckmäßigkeit des "Umbaues" aus Hochwasserschutzgründen ist fraglich, die Umgestaltung
aus Naturschutzsicht garantiert ein schwerer Gesetzesverstoß.
Und ob sich die Faltbootfahrer freuen, dass es jetzt für sie einen Bach (zwar mit ein paar Umtragestellen) im
Osterzgebirge gibt, ist auch zu bezweifeln. Ausserdem wird die "Freude" nicht lange anhalten, denn das (illegale?)
Kraftwerk im Naturschutzgebiet wird sicher auch bald wieder in Betrieb gehen. Na gut, dann kann man im glatten und
trockenen Bachbett schön mit dem Fahrrad fahren.