(Fast) Grenzenlose Freiheit
Eine Paddeltour auf Oder und Neiße, Mai 2005
20 Jahre hat es gedauert, bis ich wieder auf die Oder kam. Dabei sind wir auf unseren Reisen gen Osten öfter über Oder und Neiße gefahren. Immer wieder kam
dann dieses: "Man müßte doch mal wieder..." Früher habe ich einigemale mit den Schwedter Kanuten die sogenannte Nebel-Oder-Fahrt mitgemacht, einen ziemlich
harten 115 km-Ritt jeweils am letzten Oktoberwochenende. Na gut, es war unterwegs und am Abend im Quartier immer ganz lustig, aber eigentlich hatte ich vor
allem einen schmerzenden Hintern, den Zwang in der Gruppe zusammenzubleiben, das Verbot des freien Anlandens und generell das seltsam distanzierte Regime
an einer sogenannten "Friedens- und Freundschaftsgrenze" in Erinnerung.
Auch in den letzten Jahren las man relativ wenig über ausgedehnte Touren. Klar, über Fahrten der Kanuverbände oder über Tagestouren kommerzieller Anbieter
(diese besonders auf der Neiße) war einiges in Erfahrung zu bringen. Aber die Passagen im Flussführer oder in den wenigen Artikeln wie: "Zelten nur an offiziellen
Liegeplätzen" oder "Das polnische Ufer nicht betreten" oder "Wasserqualität nicht besonders" schreckten mich doch eher ab.
Trotzdem setzte Olaf seine Meinung durch, zumindest die Pfingstwochenend-Familientour auf Neiße und Oder zwischen Guben und Lebus zu fahren. Sein Bruder
war die Tour bereits im Vorjahr gefahren und hatte ganz gute Erfahrungen gemacht. So beschlossen Thomas und ich, uns zumindest für die Pfingsttage der Gruppe
anzuschließen und dann könnte man ja immer noch sehen.......
Blökend schauen die Schafe zu den Gepäckbergen und den umherspringenden Kindern. Hier am nördlichen Stadtrand von Guben, inmitten lange stillgelegter
Industrieruinen gibt es ja sonst auch kaum Menschen. Aber durch die Betonritzen und zwischen den verfallenden Mauern wächst schon gutes Gras und ein paar
Meter weiter beginnt ja schon der Auwald. Überraschenderweise gleiten mehrere Faltbootgruppen an uns vorbei, welche ein paar Hundert Meter weiter oben eingesetzt
sind. Irgendwann sind unsere Boote aufgebaut und beladen, die Autos umgesetzt und es geht auf den Bach. Die Neisse ist hier ca. 15-20 m breit, recht gut fließend
und ziemlich sauber. Flache Sandstrände zum Anlanden sind aber kaum vorhanden. Die 14 km bis zur Mündung in die Oder bei Ratzdorf vergehen schnell.