(Beinahe) keine Funstory
Es begann eigentlich so wie oft. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt traf sich ein gutes Dutzend sächsischer Kalt-
wasserpaddler auf Steffens Ranch. Kurzer Blick in den Fluss, sowohl die Rote als auch die Wilde Itze gehen. Wilde
war gestern dran, also Rote.
Die Leute kennen sich und können sich einschätzen. Kein Risiko zu erwarten. Genügend Getränke am Ziel vorhanden.
Shuttlebunnies auch. Und da wir ja beim Steffen aussteigen wollen, können wir uns sogar im Warmen umziehen.
Wetter passt auch, also so 1 Grad Plus und leichter Schneefall. Mittelgebirgspaddler, was verlangst Du mehr?
Boote verladen und ab. Und wenn ein Boot nicht richtig in den
Bus hineinpasst, kann man ja ein wenig drücken und die Türe
zuknallen. Schade nur, dass dann die Heckscheibe bricht.
Dafür lassen sich aber jetzt die Boote auch bei geschlossener
Heckklappe verladen.
Nun aber endlich auf den Bach. Dort ist es ja auch am schönsten. Und es ist so wie immer:
Thomas keult vorne weg...
...Andreas lässt sich lieber durchtreiben...
... Frank fährt hinter jeden Stein...
... Rainer testet seinen Wigo...
... und Steffen macht Rauchpause.
Die entscheidende Szene:
An einem ziemlich rückläufigen Wehr, welches
aber schon dutzendemal bei diesem Wasser
von uns befahren wurde, stellt sich die Meute
der Gaffer auf. Sechs Mann und nur ein
Wurfsack (Kreuz). Fahren ja ehe erst die
Profis
Rainers Boof sitzt und er kommt gut raus.
Hier sahen wir borch noch. Und dann?
So ungefähr war die Stimmung in den folgenden vielleicht 1,5 Minuten. Jedenfalls ist Borch unten irgendwie
quergekommen und musste aussteigen. Mein Wurfsack verfehlte sein Ziel und ehe die anderen zu den Booten
gerannt waren und mit ihren Säcken zurück, verging kostbare Zeit. Borch war auch immer seltener mal kurz an
der Wasseroberfläche zu sehen. Gerade wollten wir den ersten Springer anseilen, da tauchte er cirka 1,5 m
von der Wehrwand entfernt kurz auf und glücklicherweise kam Rainer mit der Bootsspitze hin
Gott sei Dank hatten wir den Borch also wieder. Das Boot jedoch
klebte am Wehr (im Bild links) fest. Und der Paddelhaken war auch
in der Nähe. Wir mussten ihn nur aus 6 km Entfernung aus einem
abgestellten Auto holen. Alle anderen Bergungsmethoden bis dahin
schlugen nämlich fehl. Aber bei solch gutem Wetter kann man
schon mal eine Stunde im nassen Neozeug draussen rumstehen.
Dokumentation einer letztendlich erfolgreichen Bergung. Henrik als "Drücker" von oben und Frank als "Zieher"
von unten leisteten ganze Kaltwasserarbeit. Nochmal vielen Dank von Borch auch an Marlen, die auch noch
sein Paddel einen halben Kilometer weiter unten rausfischte.
Fazit:
Vielleicht schleichen sich gerade in relativ eingespielten Teams auf bekannten Bächen grobe Mängel in der
Sicherheit ein. Ungenügende Sicherung gefährlicher Stellen, vergessene Ausrüstung, falsche Reaktionen.
Wir jedenfalls haben beschlossen, in dieser Saison wieder verstärkt Sicherheit zu trainiern. Angefangene vom
Wurfsackwerfen über angeseiltes Springen und Mannbergung bis hin zur Bootsbergung. Und unser bevorzugter
Kanuhändler wird sich über die steigenden Umsätze an Sicherheitsausrüstung auch nicht ärgern.
Text: Roland Einert, Fotos: Ramona Schiller
März 2002, Rote Weisseritz (Sachsen)