Ich bin hier schon 30 Jahre Verkäuferin, aber Kartoffeln hat noch keiner verlangt
sagte lachend die Verkäuferin im kleinen Ort Perloja am Merkys.
Ansonsten war der Laden gar nicht schlecht bestückt: Brot, Wurst,
Butter, Konserven, Getränke, eigentlich alles, was es bei uns im
Supermarkt auch zu kaufen gibt, nur nicht in den Stückzahlen. Dörfer
mit Einkaufsmöglichkeiten gab es im Abstand von 10 bis 25 km, in
den von uns besuchten Städt(che)en (Varena, Merkine, Alytus) gibt
es auch Supermärkte und (preiswerte) Gaststätten.
Häufig gibt es in den kleinen Läden auch einen Bierausschank,
zumindest aber einen Kühlschrank mit kaltem Bier. Und für die Kinder
selbstverständlich eine Kühltruhe mit Eis. Die Preise für
(einheimische) Lebensmittel liegen auf 30-50 % des deutschen
Niveaus, westliche "Markenprodukte" sind etwas teurer, Alkohol
kostet in etwa so viel wie in Deutschland.
Aber eben Kartoffeln und Frischgemüse kriegt man im Dorfladen
nicht. Das baut nämlich jeder selbst an und das bekommt man auf
Anfrage auch direkt verkauft, genau wie Eier und Milch.
Gekocht haben wir übrigens gemeinsam im Großtopf und
aufgegessen wurde auch immer alles.
Selbstverständlich haben wir an diesem Tag noch Kartoffeln gekriegt.
Und auch Gemüse, Milch und Selbstgebrannten. Wir haben dann auch
gleich beim Bauern (im 3-Häuser-Dorf Milioniske) gezeltet, denn an
einigen Stellen sind von der Nationalparkverwaltung oder eben auch
Privatleuten Zeltmöglichkeiten vorbereitet. Da gibt es dann in der Regel
neben der Feuerstelle auch eine überdachte Hütte und ein Plumpsklo
im Wald. Manchmal kommt dann auch jemand zum Kassieren. Wir
haben beim genannten Bauern für den Platz und die Lebensmittel
umgerechnet nicht einmal einen Euro je Nase bezahlt - und verlangt hat
er noch weniger.
Meistens jedoch haben wir mitten im Wald gelagert, am liebsten auf
dem Hochufer. Da ist dann zwar das Ausladen (wie rechts zu sehen)
mit etwas Arbeit verbunden, aber wir hatten ja Zeit und der Ausblick
entschädigt.
Es gibt viele solcher Plätze, oben findet man eine Feuerstelle, an der
auch Brennholz für die nächste Gruppe liegt. Die Plätze werden in der
Regel sehr sauber verlassen (Spaten). Auch mitten im Nationalpark
wird das skandinavische Jedermannsrecht praktiziert, an einigen
ausgewiesenen Stellen ist Zelten durch Schilder untersagt.
Wir sind den Merkys vom Örtchen Pamerkiai bis zur Mündung in den
Nemunas gefahren. Für die cirka 70 km haben wir uns 5 Tage Zeit
gelassen. Der Fluss ist im genannten Abschnitt 15-20 m breit und
fließt mit knapper Schrittgeschwindigkeit. Das Wasser ist sehr sauber,
ziemlich kühl und meist nur knie- bis brusttief. Der Grund ist sandig
und es gibt immer wunderschöne Badestellen. Die Kinder haben
besonders gern an Hochufersprungstellen, aber auch an Badestellen
der Dorfjugend (Stege und Baumelseile) gebadet. Angelzeug hatten wir
mit, waren aber meist zu faul, so dass es in der Fischwelt keine
nenneswerten Verluste gab. Der Abschnitt ist uneingeschränkt auch
für Anfänger und Familien, selbstverständlich auch für Faltboote
(unsere Flotte bestand zu 80% aus solchen) geeignet.
Man hätte diese unbeschwerte Fahrt auch noch eine Tagesetappe
höher, im Ort Valkininkai beginnen können. Dort bringt das Flüsschen
Salcia ungefähr so viel Wasser wie der Merkys. Da beide Flüsse an
dieser Stelle schon 100 bzw.70 km lang sind, ist auch eine Befahrung
einige Tagesetappen weiter oben möglich. Dort ist es nach Aussagen
von Paddlern, die schon dort waren, aber ziemlich verholzt. Jeweils 2
Tagesetappen sind aber auf jedem Flüsschen relativ leicht möglich.