Wir treffen uns am Montag um 17.17 Uhr im Wald
Dies war die wesentliche Ausgangsinformation für die Teilnehmer. Dazu
hatte jeder eine grobe, aus dem Internet herausdruckte Karte mit einem
Kreuz drauf. Genau an der Stelle, wo die Eisenbahn von Vilnius nach
Grodno das Flüsschen Merkys kreuzt. Den Tipp hatten wir von
polnischen Paddlern erhalten und die Verwaltung des Dzukija
Nationalparkes teilte uns auch nur mit, dass man den Merkys paddeln
kann, eventuell sogar noch von viel weiter oben. Auch Mailverkehr mit
lettischen und russischen Paddlern brachte nur allgemeine Aussagen
zum Paddeln und zur Versorgungssituation in Litauen. An deutscher
Literatur fanden wir nur einen (unserer Meinung nach grässlichen) Bericht
norddeutscher DKV-Paddler im Kanusport 4/2003, welche nach 2-
jähriger Vorbereitungszeit den Nemunas (Memel) mit Hilfe von
Begleitfahrzeugen, Dolmetschern, Polizeischutz usw. befuhren und fast
nur auf eingefriedeten Plätzen geschlafen haben.
Nein wir wollten etwas ganz anderes. Viel Natur, Zeltplätze für uns allein,
nicht von Touristen "verdorbene" Einheimische, Baden und Faulenzen,
Pilze und Beeren. Und mal keine anderen deutschen Paddler treffen. Wir
nehmen sonst gern andere Paddler mit in die von uns bevorzugten
Gebiete, aber diesmal hatte die Gruppe sich anders entschieden. Um es
vorwegzunehmen - der Urlaub übertraf unsere Erwartungen.

Also 17:17 Uhr im Wald. Hat auch so geklappt. Denn wir trafen uns
unterwegs mehrfach. Im Grenzstau (Passieren der polnisch-litauischen
Grenze dauerte jedesmal 2-3 Stunden), auf dem Zeltplatz in der Nähe
von Trakaj (Wir hatten vor die Wildnis zum Eingewöhnen 1-2 Tage
litauische Kultur gesetzt) oder in der Altstadt der Hauptstadt Vilnius
(gemütlich und überschaubar).
So hatten wir uns schon ein wenig an das Land, die endlosen Wälder
und an das (sehr niedrige) Preisniveau gewöhnen können und uns ein
paar gute Karten besorgt.
Nach dem Aufbau der Boote haben wir die Autos in die Hauptstadt
zurückgefahren und dort auf einem bewachten und eingezäunten
Gelände abgestellt. Dort erwartete uns auch schon Ceslaw mit seinem
Kleinbus und fuhr uns zurück in den Wald.
Ceslaw spricht litauisch, russisch, polnisch und ein bisschen englisch
und ist über die Telefonnummer +370-5-2494914 zu erreichen. Für die
Fahrt (80 km je Strecke) zahlten wir 200 Litas (3,5 Litas = 1 Euro).
Ziel unserer Träume war der Dzukija-Nationalpark in Südlitauen, nur
eine Autostunde von der polnischen Grenze entfernt. Im Prospekt der
Nationalparkverwaltung steht dazu:

"Dieser Nationalpark wurde zum Schutz der wertvollsten Strecken der
drei großen Flüsse auf dem Gebiet des Nationalparks: des Nemunas,
des Merkys und der Ula gegründet. Die Aufgabe des Parks ist es, die
vielen Pflanzen und Landschaftsvorzüge (Wälder, Sümpfe, Dünen,
Flußtäler und landwirtschaftliche Landschaft mit deren traditionellen
Dorfarchitektur) zu schützen. Den Park durchschneiden dreißig
Flüsse und Flüsschen. Es gibt hier sechsundvierzig Seen.
Die wahre menschenleere Wildnis, kleine Dörfer an den Ufern der
Flüsse, die einzigartige Flora und Fauna schaffen hier eine fast
irreale, fabelhafte Welt."