Flussbeschreibung Gauja
Die Gauja ist der Wanderfluss im Baltikum schlechthin. Im alten (sowjetischen)
Flussführer zählt sie zu den 10 Touren, die jeder Paddler in seiner Karriere als
Wanderpaddler einmal gemacht haben sollte. Wir sind die Gauja im Sommer 2005
gefahren und können diese Aussage nur bestätigen.
Die Gauja durchfließt Nordostlettland in einem großen Bogen, um dann nach über
400 km nördlich von Riga in die Ostsee zu münden. Davon sind 310 km
durchgehend ohne nenneswertes Hindernis befahrbar.
Wir selbst haben die Gauja im Abschnitt von Gaujiena (etwas nördlich der Straße
Riga-Ape) bis Cesis befahren und in diesem Abschnitt auch mit GPS vermessen.
Weiter unten haben wir an mehreren Stellen besichtigt und die neuesten Angaben
des Nationalparks mit der uns vorhandenen Literatur verglichen. Dabei ist uns
aufgefallen, dass ältere Literatur teilweise deutlich überhöhte Kilometerangaben
(besonders im Abschnitt oberhalb des Nationalparkes) enthält. Hier jetzt eine
Mischung aus der aktuellen Literatur und unseren persönlichen Aufzeichnungen:
271,5 Brücke Viresi, weitere mögliche Einsatzstelle, direkte Buslinie nach Riga mehrmals täglich
258,2 Ort Gaujiena, gute Einsatz-und Zeltmöglichkeit cirka 300 m flussabwärts rechts (Gelände an der "Estrade"), letzte Einkaufsmöglichkeit für die
nächsten 4-5 Tage, Abstellmöglichkeit der Fahrzeuge im Landwirtschaftsbetrieb nahe Ortsmitte, direkte Buslinie nach Riga
246,2 Beginn des Grenzgebietes, keinerlei Grenzregime, Verbotstafeln etc. erkennbar, freies Zelten wird überall an beiden Ufern praktiziert
242,5 Einmündung des Mustjögi von rechts (Estland), auf diesem sind bis zur Gauja 2-3 Tagesetappen möglich, cirka 300 m danach rechts Gehöft,
Auffrischung Trinkwasser möglich
239,8 rechts großer Biwakplatz auf Estnischer Seite mit Brennholz, Überdachung, Plumpsklo, wir haben trotzdem im Abschnitt bis zum Nationalpark
häufiger "wild" gezeltet
Überall gibt es wunderschöne Zeltmöglichkeite, egal ob auf Sandbänken oder am Hochufer. Ausserhalb des NP kann man überall campen

222,9 Ende des Grenzgebietes, ab hier wieder beide Ufer lettisch
222,2 Straßenbrücke (bis nach Valka wären es 12 km)
220,3 links privat bewirtschafteter Zeltplatz (wir zahlten für 19 Personen umgerechnet knapp 8 Euro), Trinkwasser beim Bauern holen


auf den bewirtschafteten Zeltplätzen und auf den offiziellen Biwaks im Nationalpark gibt es allen erdenklichen Komfort

202,0 Strassenbrücke - von hier wären es bis zur Versorgung nach Valka nur 10 km
165,7 Brücke bei Strenci, im Ort (1 km) alle Versorgungsmöglichkeiten. Man kann einige 100 m nach der Brücke sowohl links als auch rechts gut
zelten und auch so seine Dinge im Ort erledigen, nach Strenci beginnt ein besonders schöner Abschnitt mit Inseln und harmlosen Stromschnellen
140,6 Kanuclub Valmiera, Slalomstrecke, im Ort alle Einkaufsmöglichkeiten, nach Valmiera wurde bei unserer Tour die Wasserqualität wegen
Einleitungen schlechte. glücklicherweise bemerkte man davon schon 10 km unterhalb nichts mehr
136,4 hohe Straßenbrücke
132,0 Beginn des Gauja-Nationalparks, der vor allem seiner sansteinfelsen wegen berühmt ist. Ab hier ist das Campen nur noch auf den offiziell
ausgewiesenen Plätzen erlaubt, von denen es 21 Stück auf einer Strecke von 95 km gibt. Über die Lage, die Ausstattung und die Entfernung bis
zum nächsten Camp gibt es an jeder Stelle Übersichtstafeln, so dass ich mir hier eine genaue Aufstellung spare. Hübsch waren sie fast alle. Wir
hatten immer einen platz für unsere Gruppe allein, hatten unsere Tour aber auch nicht aufs wochenende gelegt. Dort sind dann deutlich mehr Kanus
und andere Gefährte unterwegs.



Harmlose Slalomstrecke in Valmiera (km 140,6)
Im Nationalpark sind die seltsamsten Gefährte unterwegs
Einer der romantischsten Biwaks im Nationalpark
an Land gibt es viele Sehenswürdigkeieten
439,5 Die Gauja entspringt aus dem Zobula-See. Auf den ersten 40 km bietet sie leichtes Wildwasser, welches von den lettischen Kanuten bei sehr guten
Wasserständen gern befahren wird. Leider ist auf den folgenden 90 km in den letzten Jahren eine kette von 9 Kleinwasserkraftwerken gebaut wurden. Dabei
wurde nicht nur die Strömung zerstört, sondern der fluss auf weiten Strecken begradigt, so dass eine Befahrung als absolut nicht mehr lohnend bezeichnet
wird.
310,4 Brücke von Lejasciems. Startmöglichkeit für die Befahrung der Gauja. Trotzdem wird die Folgestrecke bis Viresi zumindest von den Kanuverleihern
nicht gern befahren, weil einige Bäume im Fluss liegen sollen und die Strömung teilweise recht schnell ist. Am km
283,0 nahe des Örtchens Siksni und am
km
274,6 (nördlich Vidaga) gibt es sogar richtige Stromschnellen. Zelt- und Versorgungsmöglichkeiten unterwegs sollen gut sein.

Gauja kaputt (oberhalb Lejasciems)
Gauja wild (hier bei Vidaga - km 274,6)
96,5 Brücke Cesis (Lettische "Großstadt", weil knapp überr 18.000 Einwohner, alle Versorgungsmöglichkeiten). Es empfiehlt sich nicht, den cirka
200 m rechts nach der Brücke liegenden Biwakplatz zu nutzen (vermüllt), sondern lieber den nach weiteren 200m auf der linken Seite liegenden
offiziellen Campingplatz. Von hier aus kann man in die Stadt laufen, am Kiosk ein Bier trinken oder wenn es sein muss, warm duschen. Danach
folgt bis Sigulda der Zentralabschnitt des Nationalparks mit vielen Felsen und leichten Stromschnellen. Wer die Ruhe liebt, sollte diesen Abschnitt
nicht am Wochenende befahren.
79,0 Fähre Ligatne (links), Siedlung mit Versorgungsmöglichkeiten.
56,5 Straßenbrücke Sigulda, Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten und touristischen Attraktionen (Sommerrodelbahn, Drahtseilbahn, Museumsdorf
Turalda), danach wird es wieder ruhiger auf dem Wasser und zwischen den km 39 und 8 auch sehr einsam an den Ufern
42,6 Links Örtchen Gauja. Möglichkeit zur Beendigung der Fahrt, da von hier durchgehender Bus bis Viresi
39,3 Straßenbrücke der A3 bei Murjana, auch hier kann die Fahrt gut beendet werden. Von hier auch empfohlene Einsatzstelle, wenn nur der
Unterlauf und die Seen bei Riga befahren werden sollen. Die Gauja ist jetzt 40-80m breit und hat nur noch wenig Gefälle.
17,6 nach links zweigt der Kanal zum Baltezers-See und damit weiter nach Riga und zur Daugava ab. Allerdings ist es an den Rigaer Seen
schwierig, einen Fleck zum Zelten zu finden (zumindest von Land aus).
7,9 Brücke der A1, danach links Freizeitzentrum mit Bootsverleih, eine Beendigung der Fahrt hier scheint möglich.
4,8 nach rechts zweigt der Kanal zum Dzirnezers-See ab. An diesem befindet sich ein Campingplatz. Wir haben dort eine Nacht verbracht und es
war äußerst "Unterhaltsam".
0,0 Die Gauja mündet in die Ostsee. Zelten am Strand normalerweise kein Problem.